Manchmal braucht es nur ein paar Tage, um sich neu zu verorten. Mein verlängertes Wochenende in Dresden war genau das: eine Reise durch Geschichte und Gegenwart, Kunst und Natur – und immer wieder die Bewegung dazwischen. Ich ließ mich treiben, mal durch die engen Gassen der Altstadt, mal über die weiten und beeindruckenden Sandsteinformationen des Elbsandsteingebirges.
Zwischen den historischen Fassaden der Stadt lag eine besondere Leichtigkeit und zugleich Bedeutsamkeit. In Meißen, wo die Hänge zur Elbe hin abfallen, schien die Zeit langsamer zu fließen. Spätestens in der Albrechtsburg, dem ältesten Schloss Deutschlands. Und als ich in der Semperoper Platz nahm, spürte ich die Wucht jahrhundertelanger Kultur, die dort noch immer lebendig ist. Doch einer der intensivsten Momente erwartete mich im Albertinum. Dort, in der Ausstellung „Weltraum“ von Wolfgang Tillmans, begegnete mir etwas, das mich direkt in mein eigenes künstlerisches Schaffen zurückführte: die ständige Spannung zwischen Nähe und Distanz.
Tillmans erforscht in Weltraum nicht nur den physischen, sondern auch den emotionalen Raum. Seine Fotografien bewegen sich zwischen Intimität und Unnahbarkeit, zwischen privatem Blick und universeller Weite. Er zeigt Oberflächen – Haut, Himmelszonen, alltägliche Objekte – und macht gleichzeitig die Leerstelle spürbar, die zwischen dem Betrachtenden und dem Bildraum liegt. Diese Balance von Offenbarung und Geheimnis berührt auch mich in meiner Arbeit. In meinen Fotografien geht es oft um das, was sich entzieht, um flüchtige Momente, die zugleich näherkommen und sich wieder entfernen.
Vielleicht ist es diese Spannung, die mich in Dresden so bewegt hat: die stille Weite des Elbsandsteingebirges im Kontrast zur Fülle an Kunst und Geschichte in der Stadt. Im Wandern habe ich die Freiheit gespürt, die Gedanken schweifen zu lassen – und im Museum die tiefe Konzentration auf ein Bild, das in mir nachhallt. Dieses ständige „on the move“ – im Übrigen eine weitere Ausstellung der GEDOK Bonn, an der ich teilnehme - ist mehr als eine physische Bewegung. Es ist ein Zustand des Seins, in dem ich mich zwischen Innen und Außen, zwischen Nah und Fern bewege.
Zurückgekehrt bleibt in mir ein Echo dieser Tage: das leise Knirschen der Sandsteine unter meinen Schritten, die ehrfurchtsvolle Stille vor Tillmans' Bildern und die Erkenntnis, dass Bewegung nicht immer sichtbar sein muss, um etwas zu verändern.
Vielleicht ist es genau diese unsichtbare Bewegung, die uns einander näherbringt – trotz aller Distanzen.
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